Harald Dasinger

Harald Dasinger
Moderne & Postmoderne Schauspiele

Entmystifikation


Entmystifikation

 

Religion ist das Geschenk Satans an die Menschheit. Allen Religionen liegt derselbe Gedanke zugrunde: Macht. Doch spielt dabei auch die Liebe eine große Rolle - ganz gleich ob es die Liebesgeschichte zwischen Adam und seiner ersten Frau Lilith ist, oder die Geschwisterliebe zwischen Isis und Osiris, die von Jesus von Nazarath und Maria von Magdala, oder Mohammed und Chadisha. Blinder Fanatismus basierend auf Lüge, Verrat, Gewalt und Zerstörung bildeten schon seit eh und je die Grundlage für die Zerstörung des Menschen, gleich ob in der Antike oder in der Gegenwart. Der Grundgedanke jeder Religion wurde im Laufe der Zeit jeweils auf die verschiedenste Art und Weise interpretiert - genau so, wie es den jeweiligen Religionsgründern und den daraus entstandenen Institutionen in der jeweiligen Zeit am besten zusagte.

youtu.be/AlUTtv1ANJM

Softcover: ISBN 9783745032321
eBook:    
ISBN 9783745004786


 

I. Aufzug, 3. Szene

Jeschua: Komm her, „die von Gott Geliebte“ und setze dich zu mir.
Maria Magdalena: Warum glaubst du, Jeschua, dass Gott mich liebt?
Jeschua: Das ist die Bedeutung deines Namens. Und Gott liebt dich, weil ich dich liebe und ich bin ein Teil von ihm. Doch bedeutet dein Name auch „die Betrübte“...
Maria Magdalena: „Die Betrübte“ - ja... Wie war ich doch stets so einsam und traurig, bis ich dich traf; öde und schal wie abgestandener Wein war mein Leben bis du kamst und mich vor dem Übel all der Lügner und Heuchler, die mich stets umgaben, gerettet hast... Du gabst mir ein neues Leben.
Jeschua: Zu einem höheren Zweck.
Maria Magdalena: Wie meinst du das?
Jeschua: Dein Name bedeutet auch „die Fruchtbare“...
Maria Magdalena: Gott hat mich mit Unfruchtbarkeit gestraft... Siehe, ich bin fast vierzig und habe kein einziges Kind.
Jeschua: Du bist das „Geschenk Gottes“, meines Vaters an mich. Du bist fruchtbar und wirst gebären ein Kind, damit die Blutlinie fortgesetzt wird.
Maria Magdalena: Glaubst du das wirklich?
Jeschua: Habe ich jemals die Unwahrheit gesagt?
Maria Magdalena: Nein, selbstverständlich nicht... Doch sag´ - wer wird der Vater sein?
Jeschua: Ich, der Sohn Gottes.
Maria Magdalena: Du liebst mich also?
Jeschua: Ja, weitaus mehr als all die anderen, denn du bist die Einzige, die mich wirklich versteht und die die großen Geheimnisse der Schöpfung in ihrer Gesamtheit mit dem Geist erfassen kann - und darum werde ich sie mit dir teilen. Du bist mein erster Apostel und wirst somit auch die Erste sein, die mich nach dem ersten Teil meiner Initiation erblickt.
Maria Magdalena: (Umarmt ihn): Oh Herr! ... Doch sag´- was ist mit den anderen?
Jeschua: Mit welchen anderen?
Maria Magdalena (Zögerlich, unischer): Ich meine all die Frauen, die dir stets gefolgt sind und es auch weiterhin tun werden...
Jeschua: Was soll mit denen sein?
Maria Magdalena (Verlegen, zögerlich): Wirst du dann auch noch...
Jeschua: Du meinst, ob ich weiterhin mit ihnen den Beischlaf ausüben werde?!
Maria Magdalena: Ja.
Jeschua: Es steht geschrieben: du sollst nicht brechen den Bund der Ehe. Und in Kana werden wir diesen eingehen - du und ich. (Die beiden umarmen sich.)
(Sekundenlanges Schweigen)
Maria Magdalena: Du wolltest doch die großen Geheimnisse der Schöpfung mit mir teilen, wie du sagtest...
Jeschua: Das werde ich auch, doch lass´ mich zuerst mit der Bedeutung meines Namens beginnen... „Hjeh“ und „Nun“ oder auch „Sus“ sind die beiden Grundkräfte der heiligen Achtheit. „Hjeh “ bedeutet die „unendliche Zeit“ und „Sus“ den „ unendlichen Raum“. Im „Totenbuch“ der alten Ägypter heißt „Jeh“ das was von „ je“ war, die „unendliche Zeit“ und „Sus“ die Urkraft im Aether, die erste Bewegung von allem. Es sind die Urgrundkräfte der Seele, das „Ja“ und das „Nein“, die Gegensätze auf die sich alles was wir denken, fühlen und tun, stützen. „Je - sus“ bedeutet also „der höhere Mensch“; im Ägyptischen heißt es „Chrestau“, im Griechischen „Hristos“ - der Christus.
Maria Magdalena: Du bist der „höhere Mensch“, denn du bist Gottes Sohn.
Jeschua: Ich bin der „höhere Mensch“, weil ich Erkenntnis besitze... Und diese habe ich im Tempel zu Alexandria erlangt, wo ich seit meinem zwölften Jahr gelebt habe...
Maria Magdalena: Du warst so viele Jahre im Tempel?
Jeschua: Ja, meine ganze Jugend habe ich da verbracht. Einblick gewonnen in die Mysterien des Seins, die der „Dreifach Große Hermes“ einst offenbart... Hermes Trismegistos. Er, der die sieben Schlüssel des Salomon aufbewahrt... Lausche, geliebtes Weib, denn ich verkünde dir jetzt die große und ultimative Wahrheit über das „ALL“ - nicht das Weltall, sondern das „All Umfassende“. Dies sind die sieben Prinzipien: das Prinzip der Mentalität, das Prinzip der Entsprechung, das Prinzip der Schwingung, das Prinzip der Polarität, das Prinzip des Rhythmus, das Prinzip von Ursache und Wirkung, das Prinzip des Geschlechts. Ich werde sie dir jetzt im einzelnen erklären. Behalte sie für dich, denn die Einfältigen und Leichtgläubigen werden sie nicht verstehen, noch ist die Zeit nicht reif dazu.
Maria Magdalena: Ja, Jeschua.
Jeschua: Es gibt insgesamt sieben Prinzipien, sieben Grundwahrheiten von allem was je war und jemals sein wird. Diese, meine geliebte Frau, werde ich dir jetzt verraten. Jedoch musst du mir versprechen, dass du sie vorläufig nur für dich behälst.
Maria Magdalena: Ich verspreche es.
Jeschua: Gut. So höre mir zu: 1. Das Prinzip ist das der Mentalität. „Alles ist Geist.“ Das „ALL“, das „ALLES“ ist Geist, das Universum ist mental, das Universum ist Geist. Das „ALL“ ist die wesentliche Wirklichkeit, die allem zugrunde liegt - der Materie, der Energie, jeglicher Erscheinungsform des Lebens, allem, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können.
2. "Wie oben, so unten; wie unten, so oben." Dies ist das Prinzip der Entsprechung und bedeutet, dass es immer eine Übereinstimmung zwischen den Gesetzen und Erscheinungen auf den verschiedenen Ebenen und Stufen von Sein und Leben gibt.
3. "Nichts ruht; alles bewegt sich; alles schwingt." Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Manifestationen von Materie, Energie, Geist beruhen hauptsächlich auf abweichenden Schwingungsgraden. Alles ist Schwingung, beginnend vom „ALL“, dem „ALLES“, welches reiner Geist ist, bis hin zur einfachsten und gröbsten Form der Materie. Die Schwingung des reinen Geistes ist von solch hoher Intensität und Schnelligkeit, so dass sein Zustand, dem der Ruhe gleichkommt.
4. Das vierte Prinzip ist das der Polarität. Das „Kybalion“ sagt dazu: "Alles ist zweifach, alles ist Pole; alles hat seine zwei Gegensätze; Gleich und Ungleich ist dasselbe. Gegensätze sind ihrer Natur nach identisch, nur im Grad verschieden; Extreme begegnen einander; alle Wahrheiten sind nur Halb-Wahrheiten; alle Paradoxa können in Übereinstimmung gebraucht wenden."
5. „Alles fließt; aus und ein; alles hat seine Gezeiten; alles hebt sich und fällt, der Schwung des Pendels äußert sich in allem; der Ausschlag des Pendels nach rechts ist das Maß für den Ausschlag nach links; Rhythmus gleicht aus." Dies nennt man das Prinzip des Rhythmus.
6. Das „Kybalion“ sagt: "Jede Ursache hat ihre Wirkung; jede Wirkung hat ihre Ursache; alles geschieht gesetzmäßig; Zufall ist nur ein Name für ein unerkanntes Gesetz, es gibt viele Pläne von Ursachen, aber nichts entgeht dem Gesetz." Unter den verschiedenen Plänen von Ursache und Wirkung beherrschen die höheren Pläne die niederen, aber nichts entgeht jemals dem Gesetz.
7. Und das letzte große Geheminis erklärt das Prinzip des Geschlechts. "Geschlecht, sagt das „Kybalion“, hat sein männliches und sein weibliches Prinzip in sich; Geschlecht offenbart sich auf allen Plänen." In allem offenbart sich das Geschlecht, nicht nur auf dem physischen Plan in Form von Sex, jedoch auch auf dem mentalen und spirituellen.
Das, du „von Gott Geliebte“, sind die großen Geheimnisse des Seins... Ich bin ein Initierter, ein Eingeweihter. Das letzte aller Mysterien werde ich jedoch noch erfahren - die Bezwingung des Todes.
Maria Magdalena: Warum sprichst du so? Es ist bereits das zweite Mal, daß du von deinem Tod sprichst.
Jeschua: Es ist der Wille Gottes, des allmächtigen Vaters. Durch meinen Tod und meine Auferstehung von den Toten offenbart sich der Herr. Und - der Tod ist nur symbolisch, er ist ein Neuanfang.

(Dunkel, beide ab)

IV. Aufzug, 1. Szene
(Von rechts nach links treten bärtige Männer in orientalischer Kleidung mit Krummschwertern in der Handauf: sie schlagen zwei Frauen, schleifen diese über den Boden, brüllen; die Frauen schreien und jammern, weinen; zwei Männer in zerfetzter Kleidung stöhnen, werden geschlagen und getreten; es wird das Abschlagen von Armen , Beinen und Köpfen vorgetäuscht; einer Puppe, die ein Baby darstellen soll, wird der Hals herum gedreht und danach wird sie wie Abfall in eine Ecke geworfen)
Ali: Sieg! Sieg! Wir haben gesiegt! Endlich gehört Mekka uns!
Mustafa: Gebadet in ihrem Blut, niedergebrannt die Stadt der Ungläubigen!
Mehmet: Wie räudige Hunde haben wir sie abgeschlachtet.
Süleiman: Im Namen Allahs, des einzigen Gottes!
Mustafa: Gepriesen sei er!
Alle: Gepriesen sei !
Teufel (Erhebt sich, streckt beide Arme in die Höhe und ruft drei mal): Hurra!
Mustafa: Und sein Prophet!
Alle: Und Mah´mut sein Prophet!
Teufel (Erhebt sich erneut, streckt beide Arme in die Höhe und ruft drei mal): Hurra!
Ali: Groß und ruhmreich war unser Sieg, gewaltig!
Süleiman: Zermalmt wie die niedrigsten Kreaturen haben wir diese Hunde.
Mehmet: Wir sind die wahren Krieger Gottes!
Süleiman: Mit Mut hat er unsere Herzen erfüllt...
Ali: ... und Kraft verliehen unserem Arm. (Eine Frau schlagend) Willst du gleich ruhig sein, du Hündin!
1. Mann: Laß´ sie in Ruhe.
Süleiman (Ihn zu Boden zwingend, tritt auf ihn ein): Du elendes Stück Vieh! (Schlägt auf ihn ein) Da, und da, und da! (1. Frau beugt sich zu ihm, Mehmet zerrt sie an den Haare von ihm weg)
Mehmet: Verschwinde, du Hure! (Tritt sie)
Mustafa (Zerrt sie zur Seite): Zu Willen sollst du mir sein. (Lacht lauthals; Frau schreit, er schlägt sie) Willst du gleich ruhig sein. (Wirft sie auf den Boden, vergewaltigt sie)
2. Frau: Lasst sie, oh, lasst sie doch!
Ali (Zum 1. Mann): Dein Schwert hast du gegen eine Krieger Gottes erhoben, das schreit nach Rache!
1. Mann: Ich habe doch nur mein Weib und meine Kinder beschützt...
Ali (Zu Mehmet): Mehmet, hilf mir mal, halte seine Hand fest!...
1. Mann (Schreiend): Nein, nein!
Ali: Nie wieder soll diese Hand ein Schwert berühren! (Schlägt ihm die Hand ab)
Mehmet (Zu 2. Frau): Bring dieses verdammte Kind endlich zum Schweigen!
2. Frau (Ihr Baby an sich drückend): Ruhig, meine Kleine, ruhig...
Süleiman (Zum 2. Mann): Und du, was ist mit dir?
2. Mann: Ich habe doch gar nichts getan.
Süleiman: Hört ihr, Krieger Gottes!? Er hat nichts getan...
Ali: Du hast gedient einem fremden Gott...
2. Mann: Ich habe nur zu den Göttern meiner Väter gebetet.
Ali: Habt ihr das gehört? Götter! Fremde Götzen hast du angebetet, du Ruchloser!
2. Mann: Aber...
Süleiman: Du hast Allah, den wahren Gott verachtet...
2. Mann: Nein...
Süleiman: Hast du! In deinem Haus haben wir Opfergaben für die falschen Götter gefunden.
Ali: Anstatt Allah, gepriesen sei er...
Alle: Gepriesen sei er!
Ali: ... dem einzigen wahren Gott zu huldigen...
2. Mann: Ich kenne ihn doch gar nicht. Ich habe noch nie von ihm gehört, wie sollte ich dann...
Süleiman: Schweig´ Ungläubiger! Du lügst.
2. Mann: Ich lüge nicht.
Ali: Lasse uns ihm die verdammte Zunge rausschneiden, damit er nie wieder lästert.
2. Mann: Nein, nein...
Mehmet (Entreißt der 2. Frau das Kind, schüttelt es heftig): Ruhe, du elendes Balg, Ruhe!
2. Frau: Ich flehe dich an, tue meinem Kind nichts...
Süleiman: Wer schreit hier, verdammt nochmal?
Mustafa (Von rechts hinten kommend, wo man die 1. Frau blutüberströmt am Boden sieht): Die hat zum letzten Mal geschrieen! (Lacht) Die wird keine Ungläubigen mehr gebären - ich habe ihr den verdammten Bauch aufgeschlitzt! (Alle vier lachen)
Ali: Du hast Recht getan, mein Bruder.
Mehmet (Bricht dem Baby das Genick, schmeißt es zur Seite): So. Ein Ungeziefer weniger auf Erden.
2. Frau (Schreit): Mörder! Mörder! (Weint)
2. Mann: Ihr elenden Mörder! Dafür werden unsere Götter euch bestrafen!
Mustafa: Aber nicht heute. (Lacht)
Ali: Wo sind denn deine Götter, he? Warum kommen sie nicht und helfen euch elendem Gesindel?
Süleiman (Zu 2. Mann): Lobpreise den Herren, den einzigen Gott, Allah, gepriesen sei er...
Alle: Gepriesen sei er!
Süleiman: ... und bekenne dich zum wahren Glauben.
2. Mann: Niemals!
Mustafa: Vielleicht hilft das da! (Schlägt ihm ein Bein ab)
Ali: Bekenne dich!
2. Mann: Niemals!
Süleiman (Ihn schlagend, brüllt): Bekehre dich und tue Buße!
2. Mann: Verflucht seiet ihr und eurer grausamer Gott!
Süleiman (Schlägt ihm den Kof ab, hält ihn in die Höhe): So gefallen mir die Ungläubigen am besten.
Ali: Was machen wir mit den anderen zwei.
Mustafa: Die nehmen wir mit und verkaufen sie auf dem Sklavenmarkt
Mehmet: Lasst uns weiter ziehen und keine Zeit mehr verschwenden.
Süleiman: Ja, es gibt für uns noch viel zu tun!
Mehmet: Auf nach Mekka, meine Brüder!