Harald Dasinger



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Deutsche Literatur
Harald Dasinger - Dramaturgie

Maria von Magdala


Maria von Magdala. Die Frau des Wanderpredigers


Als künftige essenische Priesterin erzogen, entsagt Maria Magdalena nach einer kurzen gescheiterten Ehe dem jüdischen Glauben und wendet sich dem Isis Kult zu. Als Priesterin der Isis trifft sie den Wanderprediger Jeschua aus Galiläa. Sie fühlt sich nicht nur von ihm, sondern auch von seiner Lehre von einem einzigen gütigen Gott, der ein Leben nach dem Tod verspricht, angezogen und verläßt den Tempel, um ihm zu folgen. Sie wird seine treueste und ergebenste Jüngerin, mit der er sein im Tempel zu Alexandria erworbenes mystisches Wissen teilt... Als Nachkomme Davids aus dem Haus Juda, erhebt er Ansprüche auf den Thron Israels, wird jedoch von den Römern als Unruhestifter und Revoluzzer hingerichtet; Maria ist zu diesem Zeitpunkt mit ihrem ersten Kind schwanger. Da er die Kreuzigung überlebt, vollziehen die beiden gemäß der jüdischen Tradition ihre „zweite Hochzeit“... Während er all die Jahre auf Wanderschaft ist, gebiert ihm Maria zwei weitere Kinder - zwei Söhne. Nachdem sie ihre Pflicht, die dynastische Linie des Hauses Juda fortzusetzen erfüllt hat, wendet sie sich zutiefst enttäuscht endgültig von ihm ab, da er sie all die Jahre nicht nur belogen und betrogen, sondern auch aus rein selbstsüchtigen Gründen, nur als Gebärerin seiner Kinder benutzt hatte... Als er sie nach über dreißig Jahren der Trennung in der Provence besuchen will, ist es zu spät.

Softcover: ISBN 9783745057607
ePub:        ISBN 9783745057706
youtu.be/UcmEsEglYBM



I. Aufzug 4. Szene 
(Jeschua sitzt mit seinen Jüngern an einem Tisch im Hintergrund)

Jeschua: Und wie ich euch eben sagte - ihr werdet alles zum richtigen Zeitpunkt erfahren. Noch ist die Zeit nicht reif... Aber es wird kommen der Tag an dem ich mein Königreich einrichten werde - das himmlische und auch das irdische.
Petrus: Herr!
Jeschua (Unmutig): Was ist, Petrus? Warum unterbrichst du mich?
Petrus: Da, sieh nur! (Zeigt in Richtung des Brunnens.)
Jeschua: Was?
Petrus: Am Brunnen - die Priesterin.
Jeschua: Die Priesterin? Was für eine Priesterin?
Petrus: Die aus dem Tempel, von der ich dir erzählt hatte.
Jeschua: Ah...
(Maria Magdalena kommt mit einem großen Krug aus dem Tempel, geht zum Brunnen, will dern Krug füllen. Jeschua nähert sich ihr)
Jeschua: Komm, ich helfe dir.
Maria Magdalena: Danke, nicht nötig.
Jeschua: Der Krug ist zu schwer für dich, komm... (Will ihr den Krug abnehmen.)
Maria Magdalena (Abwehrend): Ich sagte schon - nicht nötig. Ausserdem bin ich es gewohnt.
Jeschua: Eine so hübsche Frau wie du sollte sich nicht anstrengen... Ich bin Jeschua.
Maria Magdalena: Ich weiß, wer du bist.
Jeschua: So? Woher denn?
Maria Magdalena: Man spricht über dich...
Jeschua: Tut man das?
Maria Magdalena: Ja, man sagt so einiges...
Jeschua: Und was genau sagt man?
Maria Magdalena: Einige sagen, du bist ein Wanderprediger und Wunderheiler, andere, du wärest der Messias.
Jeschua: Der bin ich.
Maria Magdalena (Leicht spöttisch): Gottes Sohn, der König der Juden.
Jeschua: Ja, ich bin der rechtmäßige König der Juden...
Maria Magdalena: Ich an deiner Stelle wäre vorsichtig mit dem, was ich sage...
Jeschua (Prophetisch): Es wird kommen die Zeit an dem ich mein rechtmäßiges Erbe antrete.
Maria Magdalena: Ich muss jetzt gehen...
Jeschua: Warte!
Maria Magdalena: Was ist?
Jeschua: Du glaubst mir nicht...
Maria Magdalena: Es ist völlig egal, was ich glaube. Du tust, was du glaubst, tun zu müssen...
Jeschua (Leicht gereizt): Und du auch...
Maria Magdalena: Ja und ich bin stolz eine Priesterin der großen Göttin Isis zu sein.
Jeschua: Es gibt nur einen Gott und das ist mein Vater.
Maria Magdalena (Spöttisch): Dein Vater? Heißt er nicht Joseph? Ist er denn nicht ein Steinmetz?
Jeschua: Und ein ehemaliger Priester des Tempels - doch ist das schon lange her. Das Reich meines wahren Vaters ist von einer anderen Welt.
Maria Magdalena: Wenn du glaubst... Ich muss jetzt gehen.
Jeschua: Warte!
Maria Magdalena: Was noch?
Jeschua: Mein Name ist Miryam - Miryam magdal-eder, aber alle nennen mich Maria von Magdala. Ich bin königlicher Abstammung. Mein Adoptivvater Joseph stammt über das Haus Juda direkt aus der Linie von König David. Und meine Mutter Maria kommt aus dem Hause Nathans. Wie du siehst, bin ich sowohl der natürliche, als auch gesetzliche Nachkomme Davids.
Maria Magdalena (Nachdenklich): In der Tat... Wenn das stimmt...
Jeschua: Ich sage dir, Priesterin der heidnischen Göttin: es wird kommen der Tag, an dem ich mein Königreich errichten werde - sowohl im Himmel, als auch auf Erden... (Kurzes Schweigen) Nun weißt du, wer ich bin... Doch sage mir, wer bist du? Wer bist du wirklich? Ich meine jetzt nicht die heidnische Priesterin, sondern welcher Abstammung?
Maria Magdalena: Ich bin die Tochter von Syrus, einem syrischen Adeligen und von Eucharia. Meine Mutter ist königlicher Abstammung - sie ist Nachkomme aus dem Königshaus Israel, aus dem Geschecht der Makkabäer.
Jeschua: Du bist königlicher Abstammung ...
Maria Magdalena: Ja, das bin ich. Nur mache ich mir nichts daraus.
Jeschua (Fortfahrend): Was machst du dann hier, was hast du in diesem heidnischen Tempel verloren? ... Aus königlichem Blut - wie ich... Eine Königin solltest du sein... An meiner Seite das Volk Israel regieren... Gemeinsam könnten wir unser Recht einfordern, eine neue Dynastie gründen...
Maria Magdalena: Ich bin Israelitin und du Judäer... Ich bin eine heidnische Priesterin und du ein jüdischer Rabbi...
Jeschua: Ich bin kein Rabbi, ich wurde bisher noch nicht zum Priester geweiht...
Maria Magdalena (Lächelnd): Also nur ein Prediger...
Jeschua (Ebenfalls lächelnd): Ein Wanderprediger, wie du sagtest... Und du, eine... Eine...
Maria Magdalena: Sage es ruhig - eine Hure.
Jeschua: Heidnische Priesterin wollte ich sagen.
Maria Magdalena: Ich weiß, was alle über mich denken, aber es macht mir nichts aus. (Jedes Wort betonend) Ich weiß, wer ich bin... Doch jetzt muss ich wirklich gehen. Die Leute könnten uns sehen und das wäre nicht gut - weder für dich, noch für mich.
Jeschua (Fasst sie an den Schultern): Vergiss diese armseligen Kreaturen, die tagein und tagaus wie dumme Schafe und Ziegen ihr armseliges Dasein dahin fristen. Wen interessiert es schon, was die wollen und was die denken?!
Maria Magdalena (Im Gehen begriffen): Lebe wohl. Vielleicht treffen wir uns irgend wann einmal wieder...
Jeschua (Fasst sie an der Hand): Warte! Ich will, dass wir unser Gespräch fortsetzten - jetzt!
Maria Magdalena: Ich wüsste nicht...
Jeschua: Wo können wir uns ungestört unterhalten?
Maria Magdalena: Nicht auf der Straße. Und den Tempel betrittst du ja nicht...
Jeschua: Wer sagt das?
Maria Magdalena (Erstaunt): Du würdest jetzt mit mir in den Tempel kommen?
Jeschua: Warum nicht?! Lass uns gehen. (Nimmt ihr den Krug ab, beide betreten den Tempel)